Der Todesmeister kommt

Gepostet von ThomasElbel am 21.04.2017

Und jetzt ist es endlich so weit. Das neue Buch ist bei Amazon sichtbar, mit Cover, Kurzbeschreibung und allem. Am 20. November, fast vier Jahre nach meinem letzten Buch „Megapolis" wird also mein erster Thriller „Der Todesmeister“ im Blanvalet Verlag erscheinen.

Es war ein langer Weg: ...

Ungefähr Ende 2013 sprach mich mein Agent Bastian Schlück das erste Mal darauf an, ob ich nicht Lust hätte, es mal mit einem waschechten Krimi zu probieren.

„Okay“, fragte ich zurück. „Also zum Beispiel etwas, bei dem der Mörder am Ende ein Vampir ist?“

„Nein, Thomas, ich meine einen richtigen Krimi. Ohne Vampire, auch keine Werwölfe oder Zauberschüler.“

„Okay, also dann eine Serie von Mordfällen zu Zeiten Faximilian des Zweieinhalbten von Vorböhmen?!?“

„Nein, auch keinen historischen Krimi.“

„Ein Mordfall an Bord eines Raumschiffs auf dem Weg nach Proxima Centauri?“

„Nein, Thomas ich meine einen richtigen Krimi, ganz normal. Heute, im Hier und Jetzt.“

Dann hatte ich es endlich verstanden.

Die Zeit der Ideensuche begann, die sich im Angesicht meiner Verantwortlichkeiten als Familienvater und Hochschullehrer über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckte. Schließlich aber konnte ich Bastian voller Stolz ein Exposé präsentieren, also eine Kostprobe nebst Inhaltsangabe. Nach Umsetzung einiger Anregungen von Bastian („Der Prolog braucht mehr Speed!“) war das Machwerk reif.

Und das Wunder geschah. Bastian bot das Exposé zur Frankfurter Buchmesse 2015 an und es wurde von etwa einem Dutzend deutscher Großverlage zur Ansicht angeboten. Blanvalet in Gestalt der Programmchefin Taschenbuch, Wiebke Rossa, waren dann die ersten, die ein konkretes Angebot unterbreitet haben und zwar ein so genanntes Preempt, d.h. ein Angebot unter der Bedingung, dass wir das Exposé bei allen anderen abfordernden Verlagen gleich wieder vom Tisch nehmen. Dafür hatten wir die üblichen 24 Stunden Entscheidungszeit. Da das Angebot auch finanziell sehr attraktiv war, deutlich attraktiver als das, was im Phantastik-Bereich üblich ist (und jetzt verstand ich endlich, was mein Agent meinte), wollte ich eigentlich sofort zuschlagen, doch Bastian fragte:

„Weißt Du, was ein ehrgeiziger Autor jetzt tun würde?“

 „Nein, aber ich fürchte, Du wirst es mir bestimmt gleich sagen.“

„Ein ehrgeiziger Autor würde ein zweites Exposé für einen Folgeroman einreichen und schauen, ob sein Agent damit einen Double-Book-Deal rausschlagen kann.“

„Dir ist schon klar, dass ich nichts Weiteres in der Schublade habe und das Exposé buchstäblich über Nacht schreiben müsste.“

„Es reicht auch ein Kurzexposé. Zehn Seiten vielleicht.“

Grummelnd ob dieser Zumutung zog ich mich in mein Elfenbeintürmchen zurück, während meine Frau seufzend die Türe hinter mir schloss. Sie lag richtig. Ich kann solchen Herausforderungen nicht aus dem Wege gehen. Das geht mir einfach gegen den Strich. Also habe ich wutschnaubend bis nachts um drei eine Spontanidee in den Rechner gehackt. Als ich am nächsten Morgen  alles noch mal durchlas, klang es wider Erwarten NICHT völlig bescheuert. Also reichte ich es bei Bastian ein, der es für weitergabefähig befand und mit unser Angebotsannahmeerklärung für das erste Buch an Blanvalet weiterleitete. Die Deadline verstrich ohne einen Mucks von Blanvalet. Düstere Vorahnungen plagten mich. War mein Entwurf so schlecht gewesen, dass man nun gleich von dem ganzen Deal Abstand nehmen wollte? Etwas gedrückter Stimmung begab mich ein paar Stunden später mit meiner Frau zur pränatalen Feindiagnostik, wo uns unter anderem das Geschlecht unseres zweiten Kindes mitgeteilt werden sollte.

Die Praxis war voll. Unser Termin verschob sich immer weiter nach hinten. Just in jenem Moment, in dem wir endlich aufgerufen wurden, klingelte das Telefon.

Bastian.

Meine Frau rollte halb belustigt die Augen und bat die Ärztin, uns um einen Slot nach hinten zu verschieben. Ein etwas konsternierter Blick war die Antwort. Hier war offensichtlich ein Elternpaar, das die Frage "Junge oder Mädchen" zu profan fand, als dass man dafür einen Anruf verschieben würde.

„Und was haben sie gesagt?“, fragte ich Bastian.

„Was zuerst? Die gute oder die schlechte Nachricht“, fragte Bastian zurück.

Mein Herz rutschte in die Hose.

„Na, dann lieber die Schlechte.“

„Sie mögen den Entwurf für das zweite Buch nicht. Die ganze Geschichte an nur einem Schauplatz. Das ist ihnen zu hermetisch. Mit solchen Plots haben sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht.“

„Ooooookay. Und die gute Nachricht?“

„Sie finden den Versuch jedenfalls sehr sportlich von Dir und bieten Dir deswegen trotzdem einen Double-Deal. Das zweite Buch müsste dann halt noch entwickelt werden.“

Die Moral von der Geschichte: Hör immer auf deinen Agenten.

Dann begann das Semester und ich war ein paar Monate lahmgelegt. Erst im Frühjahr 2016 konnte ich mit der Arbeit an dem Buch beginnen. Das bedeutete zuerst schon mal einige Anregungen von Frau Rossa von Blanvalet in das Exposé einzuarbeiten, bevor ich mit dem eigentlichen Weiterschreiben beginnen konnte. Ich kam ganz gut voran. Aber um den Abgabetermin Ende Juni nicht allzu sehr zu überschreiten, bot mir meine Frau an, sich mit unserem im Mai geborenen zweiten Sohn und seinem großen Bruder im Sommer für knapp vier Wochen zu ihrer Mutter in die Schweiz abzusetzen. Mit nicht wenig schlechtem Gewissen nahm ich an.

Ein schlechtes Gewissen ist ein guter Motivator. Ich habe vier Wochen Writer’s Boot Camp gelebt. Aufstehen, essen, schreiben, essen, schreiben, essen, schreiben, ins Bett plumpsen, aufstehen und so weiter. Nach 150 Seiten in knapp vier Wochen war das Buch dann Ende Juli tatsächlich fertig. Damit begann die Lektoratsphase.

Zuerst las Frau Rossa das Buch höchstselbst. Eine besondere Ehre. Als Programmleiterin des Taschenbuchbereiches bei Blanvalet ist sie sicher zu mehr als der Hälfte Ihrer Arbeitszeit eher Managerin als Lektorin im eigentlichen Sinne. Umso mehr freute ich mich über ihre wertvollen Hinweise. Am Ende hat sie das Buch sogar noch ein zweites Mal gelesen und schließlich die Kollation, also das Zusammenbringen der verlags- und autorenseitigen Korrekturen übernommen.

Doch vorher wurde das Buch noch von meinem Außenlektor René Stein bearbeitet, der für das eigentliche Feinlektorat zuständig war: Beseitigung von Stilblütenwiesen, Logiklöchern von der Größe des Marianengrabens, allen denkbaren Arten von Orthographiesünden (oder heißt es Orthografie?) und nicht zuletzt die konsequente Anwendung des „Würde sie/er das wirklich tun“-Tests auf alle meine Charaktere. Kurzum: Herr Stein hat das Buch auf der Qualitätsskala diverse Stufen nach oben gerutscht.

Das war im Januar. Dann Korrekturfahnen und schließlich Warten.

Und jetzt der befreiende Moment. Endlich ist etwas sichtbar. Es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, bis das Buch bestellbar ist, aber hey ... es gibt genug zu tun. Zum Beispiel ein zweites Buch schreiben. Und dann kommt Ende April der reguläre Eintrag für den „Todesmeister“ im Herbst-Katalog „Taschenbuch“ 2017/18 von Blanvalet (ich kenne ihn schon. Sieht sehr schick aus) und sogar ein Trailer wird mir spendiert. Ihr dürft also gespannt sein.

Soweit erst mal.

Eine schöne Zeit wünscht Euch Euer Thomas.

Posted by Christiane Petra on
Lieber Thomas ,

ein ganz toller Artikel, den ich mit großer Freude gelesen habe. Ich ziehe den Hut vor Deiner Leistung als Autor , aber auch vor Deiner Frau, die mit solch einer Liebe und Hingabe hinter Dir steht. Ich verstehe Dein schlechtes Gewissen, aber freue mich auch als Leserin das Dein Bootcamp erfolgreich war. Ich hoffe Du findest jetzt neben dem zweiten Buch , Deinem Brotjob noch Zeit für Deine kleine Familie. Ich wünsche Dir eine tolle Zeit mit Deinen Kindern - sie werden so schnell groß. Ich schaue jetzt mal ob ich das Buch beim großen A vorbestellen kann. Ist zwar noch Zeit bis November aber sicher ist sicher . Liebe Grüße Christiane (die ihr Asylon Taschenbuch immer noch heiß und innig liebt ^^)
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